Die Ausbildung zum Therapiehund bzw. therapiebegleithund

Ausbildung zum Therapiehund in Österreich

Aufgrund gesetzlicher Änderungen hat das THZ- Kärnten/ Osttirol mit Jännuar 2018 begonnen, die Teams nach den Vorgaben des Messerli- Institutes der vetmed Uni Wien bzw. nach den Vorgaben des ÖKV auszubilden. Somit steht es dem Hundeführer frei, die Prüfung zum Therapiehund, zum Therapiebegleithund oder auch beides zu absolvieren. Die Ausbildung der Teams erfolgt nicht durch das Therapiehundezentrum, sondern wird durch die "Therapie mit Pfoten OG" durchgeführt.

Voraussetzung für eine Ausbildung beim ÖKV zum Therapiehund ist in Österreich die positive Ablegung der Begleithundeprüfung. Diese darf ab dem vollendeten 12. Lebensmonat durchgeführt werden und wird als „Hundeführschein“ bezeichnet. Durch diese Prüfung bekommt der Richter einen ersten Einblick über das Wesen und die Führigkeit des Hundes. Der Richter ist eine speziell ausgebildete Person, die durch den Österreichischen Kynologen-Verband (ÖKV) die Befugnis bekommen hat, über das Können des Hundeführers und seines Hundes zu urteilen. Unter der Führigkeit des Hundes versteht man, wie gut es dem Hundeführer möglich ist, seinen Hund durch Kommandos zu führen und ihn unterzuordnen. Hat der Hundeführer diese Prüfung bestanden und der Hund das 15. Lebensmonat vollendet, kann er zum Eignungstest für Therapiehunde antreten. Beim Eignungstest werden - wie in der Prüfungsordnung des Österreichischen Kynologen-Verbands (ÖKV) beschrieben - die gegenseitige Bindung zwischen Hundeführer und Hund, die Unbefangenheit und Belastbarkeit, die Sozialverträglichkeit des Hundes, der Gehorsam, die Reizschwelle, die Aggressivität und Ängstlichkeit, die Motivierbarkeit und das Verhalten in verschiedenen Situationen in Verbindung mit Geräten (Rollstuhl, Krücken usw.) und gegenüber Fremdpersonen überprüft. Sobald diese Prüfung bestanden ist, kann der Hundeführer mit seinem Hund zur Ausbildung zum Therapiehundeteam antreten. Die Ausbildung erfolgt je nach Verein unterschiedlich. Es müssen aber immer drei große Bereiche (Altenbereich, Menschen mit Beeinträchtigungen und Kinder) in der Ausbildung gelehrt werden. In diesen Bereichen müssen die auszubildenden Teams theoretische und praktische Übungen absolvieren. Weiters umfasst die Ausbildung ein Grundwissen der Kynologie und eine Einführung in die Zoonosen. Hinzu kommen Gehorsamsübungen am Trainingsgelände und praktische Übungen mit Rollstuhl, Krücken usw. Während der theoretischen Ausbildung müssen die zukünftigen Therapiehundeteams supervidierte Einsätze in den entsprechenden Bereichen absolvieren.

Um einen qualitativ hochwertigen Ausbildungsstand zu erreichen, wird die Abschlussprüfung vom ÖKV vorgegeben und von zwei befugten Therapiehunderichtern abgenommen. Therapiehunderichter sind speziell ausgebildete Personen, die vom ÖKV beauftragt werden, Therapiehundeprüfungen abzunehmen.

Die Abschlussprüfung erfolgt in zwei Teilen, einem schriftlichen und einem praktischen. Beide Teilbereiche müssen positiv abgeschlossen werden. Danach ist es den Teams erlaubt, selbstständig in Einsätze zu gehen. Jährliche Überprüfungen, Supervisionen, Weiterbildungen und laufende tierärztliche Untersuchungen müssen durchgeführt werden, um eine ausreichende Qualität der Arbeit zu gewährleisten. Die Einsatzerlaubnis kann dem Team jederzeit aus nachvollziehbaren Gründen und bei Nichteinhaltung der Vorschriften entzogen werden.

Für eine Ausbildung zum Therapiebegleithund nach Messerli sind für den Hund lediglich ein Grundgehorsam sowie eine allgemeine gute Verträglichkeit zu Menschen und anderen Hunden notwendig. Die Ausbildungsinhalte sind denen des ÖKVs ähnlich. Insgesamt sind 5 Wochenendmodule zu absolvieren sowie supervidierte Einsätze im Alten- und Pflegebereich, mit beeinträchtigten Menschen sowie mit Kindern vorzuweisen. Hat der Hund das vollendete 24. Lebensmonat erreicht, gewisse Untersuchungen bestanden und der Hundeführer die Ausbildung absolviert sowie die theoretische Prüfung bestanden, darf das Team zur praktischen Prüfung antreten. Dabei wird das Team von 2 unabhängigen Sachverständigen beurteilt, welche vom Messerli- Institut bestellt wurden. Nach positiver Ablegung der praktischen Prüfung darf sich der Hund Therapiebegleithund nennen, was mit einem Zertifikat von Messerli bestätigt wird.

Nähere Informationen erhalten Sie gerne telefonisch bei uns.

Die Wirkung:

Nach Otterstedt C. (2003) kommt es bei dem Kontakt mit Hunden zu einer physischen, psychischen, mentalen und sozialen Aktivierung des Menschen. 

Im physischen Bereich kommt es zur Normalisierung der Atemfrequenz und des Blutdrucks, zur Regulierung des Pulses und der Herzfrequenz, zur Verbesserung von Cholesterin- und Triglycerinspiegel, zur Stabilisierung des Kreislaufs, zum Stressabbau, zur Stärkung des Immunsystems, zur Förderung der Kondition, zur Beruhigung des Nervensystems, zur Entspannung der Muskulatur, zur Ablenkung von Schmerzen, zur Freisetzung von Endorphinen und zur Förderung der Rehabilitation und Genesung. Schon alleine das Betrachten der Tiere wird von den meisten Menschen als beruhigend und entspannend empfunden. Eine generelle motorische Aktivierung durch die Nähe des Hundes wurde schon zu Beginn der Forschung festgestellt. Einer Person fällt es leichter, den Hund über einen längeren Zeitraum zu streicheln als immer wieder die gleichen motorischen Übungen durchführen zu müssen.
Im psychischen Bereich verbessert der Therapiehund depressive Verstimmungen, fördert das Selbstwertgefühl und die Persönlichkeitsentwicklung, schenkt Vertrauen, Akzeptanz, Nähe und vermittelt Freude. Das Tier akzeptiert, wie man ist und wertet nicht. Es schenkt Zuneigung, Trost und Geborgenheit. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder die „Eisbrecherfunktion“ des Tieres beschrieben. Durch diese Funktion ermöglicht uns der Therapiehund, uns schneller zu öffnen und aus uns herauszugehen. Speziell im therapeutischen Bereich kann der Therapeut so schneller an den Patienten herankommen. Für traumatisierte Personen kann ein Tier Nähe, Wärme, Schutz und Geborgenheit geben.

Im mentalen Bereich fördern sie die Kommunikation und Sprache, die motorischen, visuellen, taktilen und auditiven Fähigkeiten, die Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Konzentration sowie die Motivation.
Im sozialen Bereich kommt es zu einer Verminderung des sozialen Rückzuges, Verbesserung der Kommunikation und des sozialen Klimas, Reduzierung von Aggressivität, Steigerung von Verantwortungsgefühl für andere und Förderung der Kontakt- und Interaktionsbereitschaft. Sie fördern die soziale Interaktion in allen Lagen und Situationen.